Sind steckbare Speicher – das nächste große Ding der Bürger-Energieversorgung?

Einstecken, einstellen, los gehts;
so könnte es in der Betriebsanleitung dieser neuen Gerätegruppe heißen. Und tatsächlich ist die Einfachheit frappierend, sauberen Strom besser zu nutzen. Entstanden aus dem Bedürfnis der Balkonsolar-Betreiber, auch in den Abendstunden die eigene Energie zu nutzen, kommen nun von etliche dieser Elektronik-Herstellern, sogenannte steckbare AC-Batteriespeicher. Sie besitzen lediglich ein Schuko-Kabel für die Steckdose und Datenanschlüsse.
Anders als die Speicher für Balkonkraftwerke, haben sie keine Stecker um dort Module anzuschließen, sie somit nicht ortsgebunden. Manche haben eine zusätzliche eigene Steckdose, für Notstrom oder separate Verbraucher mit mehr als 800 W.
Zwei generelle Betriebsarten stellen sie bereit:
- Datengeführt, das heisst über Sensoren, Bluetooth oder W-LAN verbunden, richten sie sich nach dem Energiefluss im Haus.
- Zeitgesteuert, also wann sie sich be- oder entladen sollen. Und hier wird es nun sehr einfach, denn wann es hell (laden) und dunkel wird (entladen), ist bekannt. Zeitraum und gewünschte Leistung wird in der App eingetragen, fertig.

Wer nun eine kleine bis mittlere Photovoltaikanlage hat, kann diese Art von Speicher nutzen, ganz ohne Umbau in der Unterverteilung oder anderen technischen Aufwand zur Messung. Für die Sicherheit, sind diese Speicher, wie von den Balkonsolaranlagen bekannt, auf max. 800 W in die Steckdose einspeisen, limitiert.
Durch den Preis dieser Geräte von typisch 500 – 1800 €, für die bis zu 5 kWh Kapazität, amortisieren sie sich in etlichen Anwendungen und das eben nicht nur über die Sommerzeit.
Ob das auch der Fall ist, wenn jemand dynamische Strompreise nutzt, kann nicht beantwortet werden, den niemand kennt dort die Entwicklung in den kommenden Jahren.
Neben günstig Netz-Strom laden und diesen dann zeitversetzt nutzen, wenn er aus dem Netz teuer ist, sind ja noch die Verluste zu betrachten. Wieviel Energie geht verlustig, nach 1 x Be- und Entladen (RTF-Verlust)? Hier sind durchaus 15-30% anzusetzen, was wiederum bedeutet. dass die Unterschied in den Stromkosten deutlich darüber liegen muss. Je höher der nächtliche Verbrauch ist, desto eher bestehen Chancen, dass es sich dennoch in solche Fällen bezahlt macht.
Bei den Solarstromanlagen, die nach 20 Jahren von der EEG-Vergütung, in die Vergütung nach „Marktwert solar“ wechseln, ist dieser Unterschied deutlicher gegeben. Dessen Betreiber erhielten z.b 2024 noch 2,8 Cent/ kWh und sollen aber dann rd. 30 Cent bezahlen, wenn sie abends Strom aus dem Netz benötigen. Auch neuere Solaranlagen erhalten Vergütungen klar unter 10 Cent.
Erster Praxistest über 6 Monate (Juli bis Dez.): geladen wird tagsüber mit 200-400W. Entladen wird z.B. mit 200 W, die ganze Nacht. War der nächtliche Verbrauch davor jeweils zwischen 1,5-3 kWh, hatte er sich nun auf 1/10 reduziert. Denn wenn Verbraucher (Fön, Kochen etc.) kurzzeitig mehr als 200 W aus der Steckdose ziehen, werden diese eben nur zu einem Teil von Speicher versorgt. Der Schlüssel ist jedoch dieses „permanente Versorgen“, über so viele Stunden. Router, Telefon, Heizungspumpe und all die anderen notwenigen kleinen Stromfresser werden aus solchen Speichern dauerhaft versorgt.

Da, auch die o.g. Ladeleistung tagsüber relativ niedrig eingestellt wird, lädt der Speicher auch bei bedecktem Himmel ohne Energie von Netz zu ziehen. Denn bei 5-10 kWp am Dach stehen in typischen Haushalten die o.g. 200-400W über ausreichend viele Stunden zu Verfügung und gehen eben nicht „ungenutzt“ ins Netz.
Die Balance, wie lange, wie viel zu laden ist, damit es für die Nacht reicht, ist eine einfache Rechnung.
Schon in diesem o.g. Zeit (1/2 Jahr) zeigte der Stromzähler rund 300 kWh weniger Netzbezug an. Daraus folgt eine um 500 kWh verbesserte Nutzung p.a. (rd. +10 %) der eigenen Solarenergie erscheint hier realistisch. Größere Abweichungen sind zu erwarten, durch die Kombination der Gesamtleistung der Solarstromanlage als auch dem gleichmäßigen Bedarf in den nächtlichen Stunden.
Und hilft das auch insgesamt der Energiewende?
Nur in Bayern allein wurden 2025 weiter rd 4.500.000 kWp PV ans Netz angeschlossen. Dies saubere Energie tagsüber zu nutzen (eBike-Akku, Kochen, Haushaltsgeräte) wird damit immer wichtiger. Gleiches gilt, diese Power auch noch abends zu nutzen (anstelle fossiler Energien). Diese Speicher wirken demnach doppelt. Mit eben deutlich mehr dieser einfachen Speicher, wirkt sich das auch ausgeprägter auf die insgesamt vorhandene Solar-Energie auch, trotz Speicherverluste in Form von Wärme. Zudem wirkt das alles auch noch ganz ohne zusätzlichen Netzausbau, hierfür.
Autor: Wolfgang Wegmann, SAMOS e.V. Solarförderverein Regensburg
Quelle: Screen – Schedule Mode – https://batterlution.com/ Energiemonitor – Fronius Solarweb https://www.solarweb.com/
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